Die US-LLC: was sie kann — und was man dir verschweigt.
0 % Steuern auf Gesellschaftsebene, gegründet in Tagen, Banking komplett remote. Alles wahr. Und trotzdem fliegt dir genau diese Konstruktion um die Ohren, wenn du einen einzigen Punkt falsch machst: deinen Wohnsitz.
Ich führe mein Business über eine US-LLC und reise damit durch die Welt. Nicht als Experiment — als Alltag. Rechnungen schreiben, Mercury-Konto, Stripe, fertig. Was mir vorher niemand klar gesagt hat: Die LLC ist der einfachste Teil. Der Teil, an dem Leute scheitern, ist ein anderer.
Was die LLC wirklich ist
Eine US-LLC (Limited Liability Company) ist steuerlich transparent — in den USA heißt das disregarded entity. Die Gesellschaft selbst zahlt keine Einkommensteuer. Der Gewinn wird dir als Inhaber direkt zugerechnet, und du versteuerst ihn dort, wo du steuerlich ansässig bist.
Lies den letzten Satz nochmal. Er ist das ganze Spiel.
Bist du steuerlich in Deutschland ansässig, versteuert Deutschland den LLC-Gewinn. Voller Satz, bis 45 % plus Soli. Je nach Ausgestaltung stuft das Finanzamt die LLC sogar als Kapitalgesellschaft ein — dann drohen Körperschaftsteuer-Logik und verdeckte Gewinnausschüttung obendrauf. Die „steuerfreie US-LLC vom Sofa in München aus" ist kein Steuermodell. Sie ist ein Bußgeldbescheid mit Anlaufzeit.
Bist du dagegen nirgendwo unbeschränkt steuerpflichtig — sauber abgemeldet, kein Lebensmittelpunkt in Deutschland, als Perpetual Traveler unterwegs — dann bleibt vom Gewinn genau das übrig, was die LLC verspricht: alles.
Die LLC ist kein Steuertrick. Sie ist ein Container. Entscheidend ist, wo der Inhaber steht.
Was sie konkret kann
- 0 % auf Gesellschaftsebene — kein US-Steuersubjekt, solange du kein US-Geschäft mit Substanz vor Ort betreibst (kein „effectively connected income").
- Gründung in 2–5 Tagen — Wyoming oder New Mexico, Registered Agent, EIN von der IRS. Kein Notar, kein Stammkapital, keine IHK.
- Banking remote — Mercury, Relay, Wise Business. Eröffnung ohne US-Reise, Karten inklusive.
- Ernsthaftes Auftreten — US-Rechnung, USD-Konto, Stripe/PayPal Business. Kunden zahlen an eine Firma, nicht an „Max Mustermann, digitaler Nomade".
- Haftungstrennung — deine Privatsphäre und dein Privatvermögen stehen nicht mehr mit auf der Rechnung.
Was man dir verschweigt
1. Die LLC hat Pflichten — und eine davon kostet 25.000 $
Als ausländischer Inhaber einer Single-Member-LLC bist du verpflichtet, jährlich Form 5472 mit Pro-forma-1120 bei der IRS einzureichen. Versäumst du das, stehen 25.000 $ Strafe im Raum. Nicht theoretisch — die IRS verschickt diese Bescheide automatisiert. Dazu kommen BOI-Report, Annual Report deines Bundesstaats und die Registered-Agent-Verlängerung. Vier Fristen im Jahr. Wer sie im Kopf verwalten will, verliert.
2. Der Wegzug ist das eigentliche Projekt
Abmelden beim Bürgeramt reicht nicht. Deutschland schaut auf deinen Lebensmittelpunkt: Wohnung, Familie, der Schlüssel bei den Eltern, das Auto in der Garage. Bleibt davon zu viel übrig, bleibst du steuerpflichtig — LLC hin oder her. Und wenn du GmbH-Anteile hältst, wartet vor dem Abflug noch ein ganz eigenes Kapitel: die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG.
3. Nicht jedes Geschäftsmodell passt
Online-Dienstleistung, Beratung, Software, Trading mit Eigenkapital, Agentur — passt. Deutsche GmbH-Beteiligungen, lokales Gewerbe, Immobilien in Deutschland — passt nicht oder nur mit Zusatzkonstruktion. Wer dir die LLC als Universallösung verkauft, verkauft dir ein PDF.
- 1. Status klären: Lebensmittelpunkt, GmbH-Anteile, Wegzugsteuer-Risiko
- 2. Wegzug sauber vollziehen — erst dann wird die Struktur scharf
- 3. LLC gründen, EIN, Banking, Buchhaltungs-Setup
- 4. Compliance-Kalender aufsetzen: 5472/1120, BOI, Annual Report, Agent
- 5. Aufenthalte dokumentieren — prüfungsfest, nicht auf Zuruf
Für wen sich das rechnet
Faustregel aus der Praxis: ab etwa 5.000 € Monatsgewinn ortsunabhängigem Einkommen schlägt die Ersparnis die Kosten der Struktur um ein Vielfaches. Bei 120.000 € Jahresgewinn reden wir über eine jährliche Differenz im mittleren fünfstelligen Bereich — jedes Jahr wieder. Die Struktur kostet einmalig ein paar Tausend Euro und danach ein paar Hundert im Jahr. Das Rechenbeispiel darfst du selbst zu Ende führen.
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